Förderprojekte

Die Stiftung unterstützt derzeit Projekte von
Priv.-Doz. Dr. Karin Meißner, die am Institut für Medizinische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München die Arbeitsgruppe „Placebo Research“ leitet.

Karin Meißner hat sich international in der Erforschung von Placeboeffekten und psychosomatischen Wechselprozessen einen Namen gemacht. Sie ist Autorin zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen in internationalen Fachjournalen, hat vier internationale Symposien zu dieser Thematik mitorganisiert und ist Mitherausgeberin.

Sammelbandes und eines Buches in renommierten Wissenschaftsverlagen zum aktuellen Stand der Placeboforschung. Ihre Forschungen muß sie überwiegend über Drittmittel finanzieren. Als Professorin unterrichtet sie zudem Studierende der Studiengang komplementäre Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg  

„Effekte einer Kombinationstherapie aus Psychotherapie und Akupunktur auf Schmerzen und Immunparameter bei Patientinnen mit Endometriose – eine randomisierte kontrollierte Studie“

 

Nachdem wir in einer ersten wissenschaftlichen, gut publizierten Studie zeigen konnten, dass eine Kombinationstherapie aus Psychotherapie und Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) sehr wirksam bei der Behandlung der chronischen Schmerzen von Endometriosepatientinnen ist, möchten wir nun genauer erforschen, wie diese Therapie wirkt. Im Folgenden geben wir einen Überblick über die geplante wissenschaftliche Studie, die in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Hochschule Coburg durchgeführt werden soll.

Zusammenfassung der Studie
Endometriose ist eine gutartige gynäkologische Erkrankung, die häufig mit Regelschmerzen, chronischen Unterbauchschmerzen und Fruchtbarkeitsstörungen verbunden ist. Das klinische Bild ist sehr unterschiedlich. Das medizinische Behandlungsspektrum reicht von Schmerzmittelgaben über Hormonpräparate bis hin zur operativen Entfernung der Endometrioseherde und befallener Organe. Für Endometriosepatientinnen, die mit Hilfe schulmedizinischer Therapieansätze alleine nicht schmerzfrei werden bzw. wiederholt Rückfälle erleiden, werden komplementärmedizinische Therapiemaßnahmen empfohlen. Diese sind jedoch hinsichtlich ihrer Effektivität und Mechanismen bisher nicht ausreichend untersucht. Diese Studie möchte hierzu einen Beitrag leisten, indem sie die klinischen und immunologischen Effekte einer Kombinationstherapie aus Psychotherapie und Akupunktur (SART) bei Patientinnen mit schmerzhafter Endometriose testet.
In einer randomisierten kontrollierten Studie werden 90 Patientinnen mit Endometriose- assoziierten Schmerzen durch ein Zufallsverfahren entweder einer Behandlungsgruppe oder eine Kontrollgruppe zugeteilt. Zu Beginn der Studie sowie nach drei und nach sechs Monaten werden Untersuchungen mit Fragebögen und Blutproben durchgeführt. Ergänzend wird eine gesunde Kontrollgruppe mit 30 Frauen rekrutiert. Die primäre Fragestellung dieser Studie ist es, zu untersuchen, ob bei Patientinnen mit Endometriose-assoziierten Schmerzen, die mit SART behandelt werden, begleitend zur Schmerzlinderung eine Normalisierung der Immunzellenzusammensetzung und -funktionen im Menstrualblut und im venösen Blut eintritt. Zusätzlich soll mit explorativen Verfahren nach weiteren geeigneten, immunologischen Verlaufsparametern für Endometriose gesucht werden.

 

 

 

Stimulierung von Selbstheilungsmechanismen durch psychobiologische Interventionen

In ihren Studien geht Karin Meißner der Frage nach, mit Hilfe welcher Interventionen Selbstheilungsprozesse optimal angestoßen werden können, aber auch welche psychosozialen Einflüsse einer solchen Selbstregulation entgegenwirken können. Viele Ergebnisse aus der biopsychologischen Forschung sprechen heute schon dafür, dass sowohl für Krankheiten als auch für deren Besserungen neben biologischen auch psychische und soziale Faktoren eine Rolle spielen. Körpervorgänge beeinflussen den Zustand des Gehirns und somit auch das Empfinden und Verhalten eines Menschen. Das Gehirn wiederum orchestriert die körperlichen Prozesse. Störungen dieser fein abgestimmten Wechselwirkung können zu Dysregulationen

führen, die sich zu Krankheiten auswachsen können, wenn sie über längere Zeit anhalten. Es ist denkbar, dass durch geeignetes Eingreifen in das System Autoregulationsvorgänge angestoßen werden, die optimale Voraussetzungen für eine Selbstheilung schaffen. Psychologische Faktoren, wie Erwartungen, Suggestionen, Gefühle und innere Bilder, können hierbei ebenso von Bedeutung sein wie körperliche Stimulation, z. B. durch Akupunkt-Stimulation oder mitfühlende Berührung. Gerade in der geeigneten Kombination unterschiedlicher Zugänge könnte ein beachtliches Potential zur Selbstheilung liegen.

Im Folgenden werden die einzelnen Forschungsbereiche des Projekts vorgestellt, die durch Mittel der Schweizer-Arau-Stiftung mitfinanziert werden:

Mechanismen von Placebo- und Noceboeffekten bei Übelkeit und Herzerkrankungen

Die Placeboforschung hat in den letzten Jahren gezeigt, dass der Körper über Selbstheilungssysteme verfügt, die nur geeignet stimuliert werden müssen, um die Beschwerden von Patienten zu lindern. So können positive Erwartungen und Lernerfahrung z. B. zu einer deutlichen Schmerzreduktion führen. Die Noceboforschung hingegen bringt immer mehr Belege dafür, wie negative Suggestionen und schlechte Vorerfahrungen zur Verschlechterung von Krankheitssymptomen beitragen können.

Im Rahmen eines überwiegend von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts untersucht die Arbeitsgruppe von Karin Meißner die Frage, ob die Placeboantwort auf Übelkeit durch die Modulation spezifischer

Kontextfaktoren maximiert und minimiert werden kann, und welche neurobiologischen Mechanismen dieser Modulation zugrunde liegen. In einem weiteren Projekt sollen in Kooperation mit Priv.-Doz. Florian Beissner (Medizinische Hochschule Hannover) auch die Veränderungen im Gehirn unter Placebogabe bei Übelkeit untersucht werden. In zwei Kooperationsprojekten mit Oberarzt Dr. Joram Ronel vom Klinikum rechts der Isar werden außerdem Placebo- und Noceboeffekte auf das Herz an verschiedenen Patientengruppen näher untersucht. Die Ergebnisse dieser Studien werden dazu beitragen, die Modulation körpereigener Regulationsmöglichkeiten von Erkrankungen durch psychosoziale Faktoren besser zu verstehen.

Biopsychosoziale Einflussfaktoren bei der Entstehung und Behandlung von Endometriose

Endometriose ist eine östrogenabhängige Erkrankung von Frauen, die nicht selten zu starken Schmerzen im Unterleib und ungewollter Kinderlosigkeit führt. Die Erkrankung wird in der Regel mit antihormoneller Therapie und Operationen behandelt. Dies führt aber nicht immer zum erwünschten Erfolg. Zudem haben diese Therapien mitunter starke Nebenwirkungen. Zu komplementärmedizinischen Behandlungsansätzen gibt es bisher wenig Forschung. Die sog. „Systemische Autoregulationstherapie“ (SART) ist ein ganzheitlicher Therapieansatz, der Hypnotherapie und Traditionelle Chinesische Medizin miteinander kombiniert. Durch die Arbeit in Trance mit inneren Bildern können alte emotionale Muster gelöst werden.

Verstärkt werden die Effekte durch geeignete Akupunkt-Stimulation während der Trance, was zu teilweise erstaunlich schnellen Verbesserungen der Symptome führt. In mehreren interdisziplinären Studien werden derzeit die therapeutischen Effekte von SART bei Endometriose wissenschaftlich untersucht. Zum anderen werden experimentelle Studien durchgeführt, in denen die zugrundeliegenden Mechanismen von SART näher beleuchtet werden sollen. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, dass psychosoziale Aspekte bei der schulmedizinischen Endometriosebehandlung stärkere Beachtung finden.

Anschaffung einer Software zur Auswertung qualitativer Daten

Ebenfalls durch die Schweizer-Arau-Foundation unterstützt wird weiterhin eine Interview-Studie zu den erlebten Wirkungen von SART bei Patientinnen mit Endometriose. Die durchgeführten Interviews mit 10 ehemaligen Studienpatientinnen der oben beschriebenen Studie wurden inzwischen anonymisiert und transkribiert (d.h. in Schriftform übertragen). Momentan werden die gewonnenen Daten mit Hilfe qualitativer Auswerteverfahren analysiert. Auf diese Weise soll ein vertieftes Verständnis der Wirkungen von SART aus Sicht der Patientinnen gewonnen werden.

Zur Auswertung finanzierte die Schweizer-Arau-Foundation die Anschaffung von „MAXQDA“. Das ist eine weltweit führende Software zur programmunterstützen und somit effizienten Auswertung qualitativer Daten. Die Software soll auch in zukünftigen Studien eingesetzt werden, z. B. um die Auswirkungen der klassischen hormonstimulierten IVF zur künstlichen Befruchtung mit sanfteren Methoden der IVF mit wenigen oder gar keinen Hormonen aus Sicht der Betroffenen zu vergleichen.

Studie zur emotionalen Verarbeitung von Patientinnen mit Endometriose

Die Schweizer-Arau-Foundation unterstützt weiterhin eine experimentelle Studie zur emotionalen Verarbeitung von Patientinnen mit schmerzhafter Endometriose.  In dieser Studie werden Frauen mit und ohne Endometriose hinsichtlich ihrer emotionalen Verarbeitung sowie körperlicher Reaktionen auf Emotionen verglichen. Ein besseres Verständnis der emotionalen

Verarbeitung von Patientinnen mit Endometriose könnte mittelfristig zu einer Verbesserung der Behandlungsmöglicheiten beitragen. Die Messungen der Studie sind fast abgeschlossen, es fehlen noch einige gesunde Kontrollpersonen zwischen 30 und 42 Jahren
(bei Interesse melden Sie sich bitte bei PD Dr. Karin Meißner, karin.meissner[at]med.lmu.de

Prognostische Faktoren der erfolgreichen Kinderwunschbehandlung

Paare mit unerfülltem Kinderwunsch investieren eine Menge Energie und auch häufig viel Geld, bis sie endlich Eltern sein dürfen. Leider glückt das aber selbst bei größter Anstrengung nicht allen Paaren. Nach klinischer Beobachtung kann SART vielen dieser Betroffenen helfen – ob mit oder ohne Hilfe der Reproduktionsmedizin. Das legt nahe, dass zusätzlich zu biologischen Faktoren auch psychosoziale Faktoren für erfolgreiche Schwangerschaften bei Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch eine Rolle spielen. Bisher konnten jedoch in Studien keine solchen psychosozialen Prädiktoren identifiziert werden.

Auf Grundlage der positiven klinischen Erfahrungen mit SART bei der Kinderwunschbehandlungen ist eine Längsschnittstudie in Planung, in der nach prognostischen Faktoren für erfolgreiche Schwangerschaftsbehandlungen bei dieser Patientengruppe gesucht werden soll. Dies könnte u.a. dazu beitragen, dass der Zeitpunkt der Kinderwunschbehandlung so gelegt werden kann, dass die Erfolgschancen optimiert und die Nebenwirkungen minimiert werden.

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